SONGbooK








wouldn‘t it be great

Wenige Wochen vor der Bundestagswahl 2009 wird man immer wieder mit Statistiken, Grafiken und Umfragewerten konfrontiert. Erstaunlich hoch ist die Quote derjenigen, die gar nicht zur Wahl gehen wollen. Fast zur gleichen Zeit setzen Menschen im Iran und in Afghanistan ihr Leben aufs Spiel, um ihre Stimme für ein besseres Leben abzugeben. Haben sie es geschafft, einem Anschlag zu entgehen, wird ihr Mut durch Wahlfälschung und Korruption mit Füßen getreten. Wenige Monate zuvor träumen auch chinesische Bürger, deren Besitz für Staatsprojekte oder die Olympiade 2008 enteignet wurde, von Menschenrechten und einem lebenswerten Leben. Wer sich wehrt oder in die Öffentlichkeit geht, wird verfolgt, verhaftet, gefoltert oder getötet. (B.B. 8/2009)





really a year

Als Jugendlicher wollte ich den TV-Jahreskalender auf keinen Fall verpassen. Was damals noch eine informative Zusammenfassung von Ereignissen der letzten 12 Monate war, mutierte inzwischen zu einer Unterhaltungsshow, die nicht nur auf allen Sendern ausgiebig breit gewalzt wird, sondern auch problemlos als Serie fortgesetzt werden kann. Im nächsten Jahr werden die Hauptrollen neu vergeben. Vielleicht ein Sportler, ein Musiker oder wieder ein Politiker, der sich selbst zum Affen gemacht hat. Das abwechslungsreiche, emotional durchdachte Konzept steht jedenfalls fest. Mittendrin ein kurzer Bericht über das harte Leben von Weisenkindern in Kriegsgebieten. Die durchgestylte Moderatorin meistert den Themenwechsel von Hungersnot in Afrika zur Präsentation des neuen deutschen Superstars, indem sie nach einem Kamerawechsel ihrer aufgesetzten Fassungslosigkeit ein breites Grinsen folgen lässt. Der Themen-Mix bei dem die Prioritäten verschwimmen, ist ohne Frage unterhaltsam, spannend und gut verdaulich. Kurz fragt man sich, ob die letzte Folge tatsächlich schon ein Jahr her ist, aber dann freut man sich wohl schon auf die Fortsetzung. (B.B. 12/2008)





the old town

Es gibt Städte, die man noch nie bewusst gesehen hat und trotzdem empfindet man eine Abneigung und bildet Vorurteile gegen sie. Seit einigen Jahren wohne ich in einer solchen Stadt, die ich vorher immer gemieden hatte. Ich gab ihr die Gelegenheit, sich mir vorzustellen, worauf sie mir einen ordentlichen Denkzettel verpasste. Nicht alles ist perfekt, aber vieles wunderschön! (B.B. 10/2009)





mary rose

Im Jahre 1509 ließ Heinrich VIII. das wohl schönste Schiff bauen, das die sieben Weltmeere bis dahin gesehen hatten. Hohe, prunkvolle Segel, Gold-Verzierungen an allen Fassaden und zahlreiche Beflaggung sollten es zu einem Anschauungs-Magneten machen. Es gab kaum jemanden, der nicht hinsehen konnte, kaum jemanden, den dieses Schiff nicht in den Bann zog. Alle reckten ihre Köpfe nach der Schönheit, die Heinrich VIII. nach seiner Schwester Mary benennen ließ. Umso skurriler ist die Tatsache, dass es sich bei Mary Rose um eine Falle, ein Trojanisches Pferd handelte. Angelockt von der Pracht des Schiffes, sollte der Feind aus nächster Nähe überrascht werden. Die Luken, die die Kanonenrohre verdeckten, öffneten sich erst dann, als es kein Entkommen mehr gab. Der Grundstein für die britische Flotte war gelegt und bis ins Jahr 1545 vernichtete und plünderte die reizende Mary Rose alles, was ihr vor den Bug kam. Erst bei einem Wendemanöver im Krieg gegen Frankreich, wurden die Stückpforten ihr selbst zum Verhängnis. Wasser drang ins Innere und zog das Schiff auf den Meeresgrund. Manch einer wurde von ihr in den Bann gezogen, manch einer in den Tod. (B.B. 9/2008)





honolulu‘s son

Im November 2008 wurde in den USA der harte Regierungsstil von George W. Bush abgewählt. Mit dem Wahlsieg von Barack Obama entflammte weltweit eine hoffnungsvolle Euphorie, wie man sie seit JFK nicht kannte. Einige bezeichneten ihn sogar als Messias, als Erlöser, der alle Probleme aus der Welt schaffen könne. Inzwischen wurde klar, auch Obama ist (Überraschung!) nur ein Politiker, der trotz seiner Macht unangenehme Kompromisse eingehen muss. Die Träume des Sohns aus Honolulu wirkten dennoch wie eine Befreiung und gehen in eine lang ersehnte Richtung. (B.B. 6/2009)





big sellers on a spear

Kaum einen Hit aus vergangener Zeit hat es nicht getroffen. Zerlegt in seine Bestandteile, kann der Kern des Oldies für nachfolgende Generationen wiederverwertet werden. Ergänzt mit Hip-Hop-Gesang und untermalt mit aktuell gefragten Beats, verkaufen sich die Verstümmelungen der bis dahin guten Songs hervorragend als nigelnagelneue Singles. (B.B. 3/2009)





delivery kiss

Einige Städte halten es für angebracht, Kaufhaus-Dörfer als Vorort zu errichten. Bei einem Besuch in einem solchen Village bildete sich mir der Eindruck, eine Art Disney-Land zu betreten. Ein Königreich ohne König. Schwarze mit gold lackierte Tore zwischen festem Mauerwerk schienen die innere heile Welt vor der Realität zu schützen. Hinter dem Gemäuer reihten sich künstliche Fassaden mit Erkern und Türmchen aneinander. Der Charme einer alten Stadt wurde durch aufgemalte Risse imitiert. Doch keine Kinder spielen in den Straßen, keine Katze streift durch die Gassen. Nicht einmal ein Hund pinkelt gegen einen Baum. Ernüchtert fuhren wir weiter in die echte Innenstadt. Wir wissen nicht, ob es einen Zusammenhang mit dem Village gab, oder ob wir nur einen schlechten Zeitpunkt erwischt hatten. Die Fußgängerzone der Altstadt war geprägt von leer stehenden Geschäften und Wohnungen. Eine gespenstische Einsamkeit lag über der Stadt, so als würde man darauf warten, dass Dornröschen endlich geküsst wird, damit das Leben wieder pulsiert. (B.B. 7/2008)





walk on a wall

Die Perrys – ich glaube wir kennen sie alle. Ein Vorzeige-Paar! Immer gut gelaunt, immer freundlich und enorm engagiert. Durch und durch zwei gute Partien. Wenn man genau hinschaut, sieht man möglicherweise ein paar Sonnenstrahlen, die aus ihren Hintern scheinen. Zum Glück ist man ab und zu unbeobachtet und man kann die anstrengende Maske der Freundlichkeit für eine Weile absetzen und das wahre Ich seinen Weg gehen lassen. (B.B. 10/2009)





blatant lie

In den 90er Jahren schien es ein amerikanisches Problem zu sein. Columbine stand für Amoklauf an Schulen und für ein dramatisches Beispiel der Gefahren, die durch privaten Waffenbesitz ermöglicht werden. Nach den schrecklichen Ereignissen in Erfurt, Emsdetten, Winnenden und inzwischen auch der fränkischen Kleinstadt Ansbach, scheint das Problem nicht mehr so angenehm weit weg zu sein. Im März 2009 diskutierten Politiker darüber, welche Konsequenzen man aus den Vorfällen ziehen solle. Deutschland brauche kein schärferes Waffengesetz, da es verglichen mit den Gesetzen anderer Staaten schon viel strenger sei. Inzwischen wurden die Bestrafung für illegalen Besitz erhöht und die Auflagen für die Aufbewahrung verschärft. Während mir diese Wahnsinns-Konsequenz wie ein Alibi für Waffenbesitzer vorkommt, erinnere ich mich an das Zitat von Waffenlobbyist Charlton Heston: „Any gun in the hands of a bad man is a bad thing. Any gun in the hands of a good person is no threat to anybody, except bad people.“ Vielleicht wurden die Schüler und Lehrer ja wenigstens mit einer guten Waffe aus einer schlechten Hand getötet!? (B.B. 4/2009)





black animals

Es ist immer leichter, Verantwortliche für ein Problem zu kritisieren, als es selber in Griff zu bekommen. Dennoch bin ich der Meinung, dass ein Unternehmen, das Ölbohrungen in der Tiefsee durchführt, einen absolut wasserdichten Notfallplan haben muss. Auf dessen Ausarbeitung wurde im Fall “Deepwater Horizon” leider verzichtet. Zudem wurde für den Ertragsgewinn des Ölkonzerns Personal abgebaut und wissentlich eine Reihe von schweren Fehlern begangen, die – nach einer Untersuchung im Auftrag des US-Kongresses – zum Untergang der Bohrinsel beitrugen. Die Geologiebehörde der Vereinigten Staaten schätzte, dass in den drei Monaten, bis zur Versiegelung des defekten Bohrloches, täglich bis zu 9,6 Mio. Liter Rohöl in den Golf von Mexiko strömten. Unfassbar, dass Verantwortliche von BP einige Wochen nach Beginn der Katastrophe noch immer behaupteten, sie wären Herr der Lage. (B.B. 5/2010)





rock‘n‘roll band

Dieser Song wollte einfach unbedingt geboren werden. Die Idee dazu sollte mich so lange nicht mehr loslassen, bis er in einer Mittagspause auf ein Stück Papier gekritzelt, endlich den Weg von der Fiktion in die Realität gefunden hatte. (R.T. 2/2009)





sunshine 2010

In freudiger Erwartung…
(B.B. 1/2010)





vaccine

Das zufriedene Glücksgefühl, endlich am Ziel angekommen zu sein, lässt sich hervorragend in einem Lied ausdrücken. Manchmal sogar in einem versteckten Love-Song. (B.B. 7/2009)